Winterpalast & Eremitage

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Das Eremitage Museum ist eines der größten und berühmtesten Museen der Welt. Die Kunstsammlung der Zaren wurde auf Betreiben von Zar Alexander bereits in den 1820er Jahren katalogisiert und danach unter seinem Sohn Zar Nikolaus I. in einer 'Neuen Eremitage' teilweise zur Besichtigung freigegeben. Nach der Revolution enstand aus dem Eremitage Museum und dem Winterpalast das Staatlichen Eremitage Museum. Der Winterpalast war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Hauptsitz der russischen Zaren. 1990 wurde die Eremitage zusammen mit dem Petersburger historischen Zentrum zum UNESCO Weltkulturerbe. Ein Tag in der Eremitage reicht, wenn überhaupt, gerade mal für einen winzigen Überblick über die riesige Kunstsammlung und die phantastischen Räume des Zarenpalasts.
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Zu den Gebäuden der Staatlichen Eremitage gehören heute der Winterpalast, das älteste Gebäude des Palastensembles, die Kleine Eremitage, die Große und die Neue Eremitage, das Eremitage-Theater und seit neuestem auch das Generalstabsgebäude, dessen gesamte Renovierung im Jahr 2013 abgeschlossen werden soll. Bis auf das Generalstabsgebäude sind alle Gebäude durch Übergänge und Galerien miteinander verbunden. Etwas außerhalb des Zentrums betreibt die Eremitage ein modernes Magazin und Restaurationszentrum, das ebenfalls besichtigt werden kann. Dort befindet sich heute u.a. die Zarengarage mit Kutschen und Sänften. Zur Staatlichen Eremitage gehört auch das Menschikow Palais auf der Wassiljewskij-Insel.
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Alleine der Winterpalast besteht aus über tausend Räumen, von denen aber nur ca. 350 Räume für das Publikum geöffnet werden. Der heute grün-türkis gestrichene barocke Palast wurde ursprünglich zwischen 1754 und 1762 von Bartolomeo Francesco Rastrelli für Zarin Elisabeth errichtet. Bis 1917 war der Winterpalast die Hauptresidenz der russischen Zaren. Zwischen 1837 und 1839 musste der Palast fast vollständig rekonstruiert werden, nachdem er bei einem 30 stündigen Feuer größtenteils ausbrannte. Im Inneren wurde der Palast mehrmals umgebaut, vom äußeren Erscheinungsbild präsentiert sich der Palast heute wie zu Elisabeths Zeiten, nur die Fassadenfarben wechselte öfters, von Blautönen über Rosa, Gelb und Ziegelrot bis zum heutigen Türkis-Grün. Die Länge der Außenfassaden des Winterpalasts beträgt fast zwei Kilometer.
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Ab 1888 wohnten die Romanows nur noch selten im Palast. Nach der Ermordung Alexander II wurde der Aufenthalt im Zentrum Petersburgs für die Zaren zum Risiko. Der letzte Zar Nikolaus II lebte mit seiner Familie meistens im Alexanderpalast von Puschkin und benutzte den Winterpalast auch für offizielle Anlässe nur noch selten. Nach der erzwungenen Abdankung des Zaren am 15. März 1917 wurde der Winterpalast für einige Monate zum Hauptquartier der provisorischen Regierung. Nach der Revolution wurden im Winterpalast zunächst verschiedene Institutionen untergebracht, die 1922 den Winterpalast wieder verlassen mussten, nachdem der Palast vollständig der Staatlichen Eremitage als Museumshauptgebäude übergeben wurde.
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Während der Leningrader Blockade im 2.Weltkrieg wurde der Winterpalast und die Eremitage von der deutschen Artillerie und Luftwaffe über mehrere Monate mit Granaten und Brandbomben beschossen. Die Eremitage wurde von zwei Fliegerbomben und von über 30 Granaten getroffen, die erhebliche Schäden an den Gebäuden verursachten. Bei den Angriffen wurde einer der Galasäle und die Hofgarage getroffen, in der mehrere vergoldete Galakutschen aus dem 17. Und 18. Jahrhundert zerstört wurden. Auch die Atlanten am Eingang der Neuen Eremitage wurden durch Granaten schwer beschädigt. Die meisten Kunstgegenstände aus der Eremitage wurden schon beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht vorsorglich in Moskau und hinter dem Ural in Sicherheit gebracht, die restlichen Kunstwerke überstanden den Krieg unbeschädigt in den Kellern der Eremitage. Am 8.November 1944, neun Monate nach dem unfreiwilligen Abzug der Wehrmacht wurde das monumentale Baudenkmal des Spätbarocks wieder teilweise für das Publikum geöffnet.
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Das Eremitage Museum ist mit über drei Millionen Exponaten vermutlich das größte Kunstmuseum der Welt. Rund 65.000 Ausstellungsobjekte sind permant ausgestellt, dazu kommen noch regelmäßige Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen. Im Vergleich dazu werden im Pariser Louvre rund 35.000 Kunstwerke dauerhaft ausgestellt. Die Kunstsammlung der Eremitage basiert auf der Sammlung von Peter dem Großen und vor allem auf die Sammelleidenschaft von Katharina der Großen, die ihre erste Sammlung 1764 beim preußischen Kaufmann und Kunsthändler Johann Ernst Gotzkowski erstand. Gotzkowski bot Katharina der Großen an, seine Schulden, die bei einem erfolglosen Getreidegeschäft mit Russland entstanden waren, mit 317 Gemälden aus seiner privaten Sammlung zu bezahlen. Darunter waren mehrere Gemälde von Rubens, Raffael und eines von Tizian.
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Die Gotskowskische Sammlung war für Kaiserin Katharina nur der Beginn einer großen Leidenschaft. Im Anschluss kaufte sie weitere komplette Sammlungen und ganze Bibliotheken auf. Als der Platz für Katharinas Kunstsammlungen im riesigen Winterpalast zu eng wurde, ließ die Kaiserin eine Erweiterung an den Winterpalast anbauen, die damals in der hauptsächlich französisch sprechenden Gesellschaft als Eremitage bezeichnet wurde. Das französische 'Ermitage' bedeutet übersetzt Einsiedelei, für Katharina war das Erweiterungsgebäude ein Platz, an dem sie sich mit ihrer Kunst und Schmucksammlung und mit ihren Vertrauten zurückziehen konnte.
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Für die Neue Eremitage, die unter Zar Nikolaus zum öffentlichen Haupteingang des neuen Museums wurde, mussten Teile der Alten Eremitage abgerissen werden. Die Neue Eremitage ist das einzige als Museum konzipierte Gebäude der Eremitage. Der Bau wurde nach Plänen des Münchner Architekten Leo von Klenze von den Petersburger Architekten Wassili Stassow und Nikolai Jefimov durchgeführt. Leo von Klenze war Hofarchitekt von König Ludwig I. von Bayern, zu seinen bedeutendsten Werken gehört u.a. die Alte Pinothek in München und die Walhalla bei Regensburg. Die zehn fünf Meter hohen Atlanten am Portikus der Neuen Eremitage wurden unter der Leitung des Bildhauers Alexander Terebenjow aus Serdobolsker Granit hergestellt.
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Der Haupteingang zum Museum befindet sich heute im Hof des Winterpalasts. Für organsierte Reisegruppen gibt es einen eigenen Eingang am Schlossplatz. Tickets zum Besuch des Museums lassen sich am besten über die Homepage der Eremitage kaufen, was durchaus empfehlenswert ist, da die Warteschlangen vor den Ticketschaltern bei dem extremen Besucherandrang naturgemäß sehr lang sind, zwei Stunden Wartezeit sind im Sommer nicht ungewöhnlich. Hat man den Kartenverkauf und die anschließende Sicherheitsschleusen überwunden, landet man in der Eingangshalle unter dem kleinen Thronsaal. Am Ende der Eingangshalle befindet sich die erste große Sehenswürdigkeit, die Jordan Treppe. Die Jordan Treppe wird auch Botschafter Treppe genannt, da alle offiziellen Besucher über diese Treppe zum Thronsaal geleitet wurden. Dadurch mussten sie auf dem Weg zum Thronsaal alle an die Treppe anschließenden Prunksäle durchqueren, die Gäste sollten schon vor der Audienz mit dem russischen Reichtum beindruckt werden.
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Die Jordan Treppe ist die Galatreppe des Winterpalasts. Sie wurde von Rastrelli im weißen Carrara Marmor erschaffen und nach dem Brand von 1837 von Wassili Stassow wiederhergestellt. Die Statue am ersten Treppenabsatz verkörpert allegorisch die Macht der russischen Zaren. Die Jordantreppe verdankt ihren biblischen Namen einer Zeremonie, die an jedem 6. Januar in der zugefrorenen Newa vor dem Winterpalast durchgeführt wurde. Der Zar, der über die Jordantreppe zum „Fest der Wasserweihe“ kam, war damals Teil der Zeremonie.
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Elisabeths Hofarchitekt Rastrelli musste unter Katharina der Großen seine Tätigkeit beenden, sein barocker Stil war bei der aufgeklärten Monarchin nicht mehr gefragt. Die Arbeiten wurden von Vallen, Quarenghi, Rinaldi und de la Mothe fortgesetzt. Nach dem großen Feuer, das beim Beheizen der Öfen in den Prunksälen ausgelöst wurde und bei dem die gesamte Inneneinrichtung zerstört wurde, begaben sich Wassili Stassow und Alexander Brüllow an die Rekonstruktion der historischen Ausstattung.
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1941 wurde die ehemalige Kaiserliche Eremitage in ein Museum der Weltkultur umgewandelt. Dabei entstand auch eine Abteilung für die Geschichte der russischen Kultur, deren Grundstock aus Raritäten von Peters Kunstkammer gebildet wurde. Dem Andenken an Peter dem Großen ist der von Montferrand gestaltete Kleine Thronsaal gewidmet. Hinter dem Thron befindet sich ein Ölgemälde des italienischen Rokoko Künstlers Jacopo Amigoni, das Peter dem Großen, geführt von Minerva, der Göttin der Weisheit, darstellt. Der ganze Raum ist mit rotem Samt aus Lyon verkleidet, der mit aus Silberfäden gestickten Doppeladlern und Lorbeerzweigen verziert ist. Dazwischen befinden sich Gemälde, die an Peters Sieg im Großen Nordischen Krieg erinnern.
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Der achthundert Quadratmeter große Wappensaal wurde von Wassili Stassow mit vergoldeten korinthischen Säulen gestaltet. An den Kronleuchtern befinden sich alle Wappen der russischen Provinzen. Der Wappensaal wurde für große Bälle benutzt, bei denen bis zu 3000 Gäste eingeladen wurden. Der letzte große Ball wurde am 19. Januar 1904 gefeiert, danach wurde der Palast nur mehr für die Feierlichkeiten des 300-jährigen Jubiläums der Romanow Dynastie im Februar 1913 verwendet. Das letzte bedeutende Ereigniss im Winterpalast war am 20. Juli 1914 die Verkündigung des kaiserlichen Manifests, bei dem der Zar vom Balkon am Schlossplatz seine Kriegserklärung gegen Deutschland verkündete. Im ersten Weltkrieg wurde im Hof des Winterpalasts und im Wappensaal ein Feldlazarett eingerichtet.
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Für die prunkvollen Galasäle wurden keine Kosten gescheut, sie mussten den Reichtum und die Macht der Romanows symbolisieren. Im Großen Thronsaal, der auch Georgs-Saal genannt wird, befinden sich riesige Säulen und Wandverkleidungen, die aus Carrara-Marmor und Bronze hergestellt wurden. Der Große Thronsaal ist der prunkvollste Saal innerhalb des Winterpalasts. Der aus 16 Holzarten gelegte Parkettboden ist von einer mit vergoldetem Stuck reich verzierten Decke überdacht. Der Thron wurde von dem Engländer George Clausen um 1737 hergestellt. Über dem Thron befindet sich ein Relief, das den Heiligen Georg als Drachentöter darstellt. Die Reliefdarstellung war früher ein Bestandteil des russischen Staatswappens.
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Neben den Galasälen gibt es jede Menge nicht minder prunkvolle Gemächer der Zaren zu sehen, die je nach Epoche in einem eigenen Flügel des Winterpalasts eingerichtet wurden. Besonders erwähnenswert ist dabei die südliche Enfilade, in dem sich früher die Wohnräume Katharina der Großen und Zar Peter III befunden hatten. Die Räume wurde von Alexander Brüllow nach der Rekonstruktion neu gestaltet, darunter befindet sich der Weiße Saal und der goldene Salon. Bei meinem Besuch der Eremitage hatte ich meine Prioritäten aber eher auf die Gemälde und Antikensammlungen festgelegt, die sich hauptsächlich in der Alten und Neuen Eremitage befinden.
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In Inneren der Eremitage merkt man von den unterschiedlichen Gebäuden aus verschiedenen Epochen nicht viel, alle Gebäude sind miteinander durch kurze Korridore verbunden und bilden eine architektonische Einheit. Die Große, Kleine und Neue Eremitage entstanden zwar zu verschiedenen Epochen, das heute existierende Interieur stammt aber zum größten Teil aus der Mitte und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, da man bei der Einrichtung des Museums in den 1920er Jahren auf historische Gebäudegrenzen keine Rücksicht nahm.
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Von den 3 Millionen archivierten Kunstwerken sind an die 65.000 Exponate dauerhaft ausgestellt, dazu kommen regelmäßige Sonderaustellungen zu verschiedenen Spezialthemen. Für die beindruckende Menge an Kunstwerken braucht man schon mehrere Tage, auch wenn man vor jedem Gemälde nur eine Sekunde verweilen würde. Die Eremitage öffnet täglich (ausgenommen Montag) relativ spät um 10:30 und schließt normalerweise um 18 Uhr, am Sonntag schließt sie eine Stunde früher um 17 Uhr. Seit 2012 hat auch die Eremitage einen langen Donnerstag, am Donnerstag kann man bis 21 Uhr im Museum verweilen.
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Falls man nicht an einer Führung teilnimmt, sollte man sich für die Eremitage unbedingt einen detaillierten Plan zur Orientierung besorgen. Man kann sich in dem Labyrinth aus Architektur und Kunst leicht verlaufen, auch wird man ohne Plan wichtige Sehenswürdigkeiten versäumen. Am besten ist es wenn man die Besichtigung schon vor dem Besuch etwas plant, da die Besichtigungswege in der Eremitage über elf Kilometer lang sind und man die vielen ausgestellten Kunstwerke nicht alle an einem Tag sehen kann.
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Nach der Oktoberrevolution wurden dem Museum viele Kunstsammlungen enteigneter Adelsfamilien angegliedert, dazu gehörten die nicht minder wertvollen Sammlungen der Stroganows, Scheremetews, Jussopows und vieler anderer. Die Enteignungen nach der Revolution vervierfachten den Bestand an Gemälden der Eremitage. Einzigartig ist die über 10.000m² große Kunstausstellung der Eremitage aber nicht nur wegen ihrer Größe und Auswahl, sondern auch dadurch, dass sie selbst in einem Kunstwerk untergebracht ist. Ein großer Teil des Interieurs ist unter Katharina der Großen entstanden, aber auch alle nachfolgenden Zaren hinterließen ihre Spuren.
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Unter Missbilligung der englischen Gesellschaft kam 1779 eine weitere große Sammlung in Katharinas Hände. Sir Robert Walpole, erster britischer Premierminister, hinterließ eine während seiner Amtszeit zusammengetragene umfangreiche Sammlung, die man in dieser Zeit zu den besten und schönsten des englischen Königreichs zählte. Sein Neffe George Walpole, Dritter Herzog von Orford, verkaufte diese aus 204 Gemälden bestehende Sammlung für 40.555 Pfund Sterling an Zarin Katharina. Für die damals skandalösen Verkaufs-Verhandlungen mit dem russischen Kaiserhof wurde der angehende Auktionator und spätere Begründer des gleichnamigen Auktionshauses James Christie beauftragt. Zu der legendären Sammlung gehören überwiegend Werke der flämischen und holländischen Schule, aber auch wichtige Gemälde der italienischen und französischen Schule.
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Ausgestellt werden in der Eremitage nicht nur 2500 Gemäldesammlungen, sondern auch jede Menge Skulpturen, Einrichtungsgegenstände, Schmuck, Uhren, Kleidung, Kutschen und Waffensammlungen. Von den über 1000 Räumen der Eremitage sind ungefähr 350 Räume für das Publikum geöffnet. Zu den berühmtesten Ausstellungen gehört der aus über 1200 Goldobjekten bestehende Schatz der Skythen, den Fürst Gagarin auf Befehl Peters dem Großen von Sibirien nach Petersburg brachte.
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Die Eremitage ist einfach nur überwältigend und manchmal wird es schwierig so viel Kunst aufzunehmen. Wenn man von dem Glanz noch nicht total geblendet ist, sollte man ab und zu auch einen Blick auf die prachtvollen Deckenmalereien in der Gemäldegalerie werfen, auch mit der Gefahr verspannte Muskeln und Nackenschmerzen zu riskieren. Schließlich hat man ja nicht jeden Tag die Gelegenheit sich in einem der weltweit schönsten Paläste umsehen zu können.
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Die Eremitage ist im Guinness Buch der Rekorde als größte Gemäldegalerie eingetragen. In der Gemäldegalerie, die beliebteste Abteilung der Eremitage, sind alle Entwicklungsstufen der europäischen Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart vertreten. Die Ausstellung beginnt mit der italienischen Malerei der Renaissance in den Sälen der Alten und Neuen Eremitage, darunter sind Werke von Michelangelo, Tizian, Raffael oder Leonardo da Vinci zu finden.
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Nackte Mona Lisa von Leonardo da Vinci ? Die Herkunft des unsignierten Gemäldes ist nicht zweifelsfrei bewiesen. Die Eremitage widmete Da Vinci einen eigenen ‚Leonardo Saal‘. In dem von Andre Stakenschneider eingerichteten Saal befinden sich zwei zweifellos dem italienischen Universalgenie zugeschriebenen Werke von Da Vinci, die ‚Madonna Litta‘ und die ‚Madonna Benois‘. Die beiden Gemälde kamen erst 1914 in den Besitz der Eremitage, davor befanden sie sich im Privatbesitz der Künstler und Architektenfamilie Benois.
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Der Pavillon Saal in der Kleinen Eremitage ist einer der schönsten Säle des ganzen Gebäudekomplexes. Dieser im Stil eines orientalischen Märchens gestaltete Raum befindet sich im ersten Stock des Nordpavillons. Katharina die Große traf sich hier mit ihren Vertrauten wie Graf Orlow oder später Potjomkin. Architekt Andre Stakenschneider verband im prunkvollen Pavillon Saal italienische Renaissance mit arabischer Baukunst, in dem er ein elegantes Imitat eines maurischen Hofs entwarf. Im Pavillon Saal befindet sich mit der Pfauenuhr eines der berühmtesten Ausstellungsobjekte der Eremitage.
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Die vergoldete Pfauenuhr von James Cox war ursprünglich im Besitz von Grigori Potjomkin, der sie 1780 von der englischen Herzogin von Kingston erwarb. Die Uhr war damals noch nicht funktionsfähig, erst der geniale russische Uhrmacher, Mechaniker, Brückenbauer und Erfinder Iwan Petrowitsch Kulibin brachte die Uhr zum laufen. Das Zifferblatt befindet sich auf einem Baumpilz an einem Stamm, auf dem der Pfau sitz. Wenn die Uhr schlägt, schlägt der Pfau sein Rad, der Kran kräht und die Eule im Käfig dreht den Kopf und blinzelt mit den Augen.
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Die Säle 226 und 227 zwischen der Alten und Neuen Eremitage wurden nach den berühmten, von Bramante entworfenen und von Raffael bemalten Vatikan – Loggien aus dem frühen 16. Jahrhundert benannt. Katharina die Große war von den Raffael Fresken im Vatikan so beeindruckt, das sie 1787 eine Kopie in Auftrag gab. Mit der Ausgestaltung der Raffael Loggien wurde der italienische Architekt Giacomo Quanreghi beauftragt, der dafür in den 1780er Jahren nach Petersburg reiste.
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Der östliche Teil der Großen Eremitage am Winterkanal ließ Quanreghi für die Loggien umbauen. Darin wurden Kopien der ‚Raffael Bibel‘ untergebracht, die aus 48 Bildern mit Szenen aus dem Alten Testament bestehen. Die Wände wurden mit Ornamenten im Stil der Groteske von dem Tiroler Christoph Unterberger bemalt. Der Österreicher, Absolvent der Akademie der Künste in Wien, war zuvor bereits im Vatikan als Freskenmaler im Papyrus Raum der Vatikanbibliothek tätig gewesen. Die Raffael-Loggien der Eremitage sind eine hundertprozentige Kopie, nur das Wappen des Papstes ließ die Zarin durch den doppelköpfigen Adler der Romanows ersetzen.
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Die Haupt oder Paradetreppe der Neuen Eremitage, auch Nikolaustreppe genannt, wurde in den 1840er Jahren wie die gesamte Neue Eremitage von Leo Klenze entworfen. Sie beginnt im Erdgeschoss an dem Portikus mit den riesigen Atlanten und führt zur Gemäldesammlung in der Ersten Etage. Im Erdgeschoss der Neuen Eremitage befinden sich die Ausstellungen der prähistorischen Kulturen, die weitgehend aus der Sammlung Peters des Großen stammen. In den weiteren Erdgeschoss-Räumen der Kleinen und Großen Eremitage ist ein großer Bereich der Kunst und Kultur der klassischen Antike und des alten Ägypten gewidmet.
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In der ersten Etage, direkt an der Nikolaustreppe, befindet sich die von Leo von Klenze entworfene Galerie der Geschichte der Malerei des Altertums. Die Galerie diente früher als eine Art Vorsaal für das neu geschaffene Museum. Bei einem Besuch Münchens war Zar Nikolaus I von der Alte Pinakothek so begeistert, das er Leo von Klenze 1839 zum ersten Mal nach Petersburg einlud und diesen mit dem Entwurf der neuen Eremitage beauftrage. Leo von Klenze, der von König Ludwig I als Geheimer Oberbaurat und Hofbauintendant mit der klassizistischen Umgestaltung Münchens beauftragt worden war unternahm mehre Reisen zu antiken Stätten in Griechenland und Italien, letzteres auch zusammen mit dem bayrischen König, der als Sammler antiker Kunstwerke bekannt war. Leo von Klenze reiste insgesamt sieben Mal nach Sankt Petersburg. In der Galerie befinden sich Werke der größten meist neoklassizistischen Bildhauer aus dem 19. Jahrhundert, darunter Werke des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen und des Italieners Antonio Canova.
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Die Wände der Galerie sind mit Gemälden des Münchner Künstlers und Historienmaler Johann Georg Hiltensperger dekoriert, die die Entstehung der Bildenden Kunst illustrieren. Johann Georg Hiltensperger arbeitete ebenso wie Leo von Klenze hauptsächlich in München, wo er auch als Professor an der Akademie der Bildenden Künste tätig war. Hiltensperger gestaltete die Fresken in der Alten Pinakothek, im Münchner Hoftheater und in der Münchner Hauptpost.
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Der 'Große Oberlichtsaal der italienischen Malerei' in der Neuen Eremitage. In der Mitte des Saals sind einzigartige Malachitvasen und Tischplatten zu sehen, die von russischen Meistern angefertigt wurden. Die enge Aufhängung der Bilder bezeichnen Kunsthistoriker als 'Petersburger Hängung'. Die Stühle und Bänke wurden in den geräumigen Sälen übrigens nicht nur zur Dekoration aufgestellt, man kann sie auch für eine Ruhepause oder zum entspannten Betrachten der Bilder verwenden.
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Die Gemäldegalerien belegen die beiden oberen Stockwerke der Eremitage. Im dritten Stockwerk befindet sich neben der Abteilung für Chinesische und Asiatische Kunst eine große Abteilung für europäische Kunst aus dem 19. Und 20. Jahrhundert, darunter Caspar David Friederich, Picasso, Van Gogh, Renoir, Matisse, Kandinsky und viele andere großartige Künstler. Bei meinem Besuch war zu dieser Zeit gerade eine Sonderausstellung, in der das Fotografieren in diesem Bereich nicht erlaubt war. Deswegen gibt es hier zurzeit keine Fotos aus der 2.Etage. Die moderne Malerei des 19. Und 20. Jahrhunderts ist aber auf der Homepage der Eremitage gut dokumentiert, zudem kommen diese Bilder immer wieder visafrei in westeuropäische Sonderaustellungen.
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Die Neue Eremitage wurde von Beginn an als hell beleuchtetes Museum konzipiert. Jeder der drei Hauptsäle der Neuen Eremitage ist mit großflächigen Oberlicht Glasfenstern ausgestattet. Die Wände der Neuen Eremitage bieten genügend Raum für großformatige Bilder, vor allem für Werke italienischer Künstler aus dem 16. bis zum 18. Jahrhundert.
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Im Großen und Kleinen Oberlichtsaal der italienischen Malerei findet man spanische und italienische Meister des Barocks wie Il Guercino, Tiepolo, Caravaggio, Velasquez, Murillo und Goya. Neben der italienischen Hochrenaissance findet man in der Neuen Eremitage viele Gemälde und Kunstwerke von französischen, flämischen und holländischen Künstlern, besonders die holländische Sammlung gehört mit über 1000 Bildern zu den exklusivsten der Welt.
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Zu den größten Attraktionen der Eremitage gehört der Rembrandt Saal, in dem sich mehr als 20 Bilder des niederländischen Künstlers befinden. In den angrenzenden Räumen befinden sich weitere zahlreiche Kunstwerke flämischer oder holländischer Künstler, darunter 40 Werke von Peter Paul Rubens, 40 Gemälde von van Dyck und 14 Bilder von Snyders.
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Zum Arsenal der Eremitage gehört eine umfangreiche Sammlung von europäischen, asiatischen und russischen - militärischen Ausrüstungsgegenständen aus dem frühen Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Zar Nikolaus I. war ein leidenschaftlicher Sammler von antiquarischen Waffen und Rüstungen. Seine Sammlung lagerte er bis 1885 in einem speziellen Pavillon im Park von Zarskoje Selo, danach verlagerte er die wertvollen Waffen und Rüstungen in die Eremitage. Zum Arsenal gehört u.a. eine große Anzahl von Orden, Wappen, Bekleidungsstücke und Jagdwaffen, auch eine Gruppe amerikanischer Colt-Pistolen, die für Zar Nikolaus und seine Söhne hergestellt wurden befindet sich im Fundus.
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Die Eremitage zählte im Jahr 2011 über 2,8 Millionen zahlende Besucher, davon etwa 918.000 ausländische Touristen und 840.000 Besucher aus Russland. Über eine Million Freikarten wurden an Kinder unter 17 Jahren, Studenten, russische Rentner und an andere Personen vergeben, wie Wehrdienstleistende oder Kriegsversehrte, die nach den Gesetzen der Russischen Föderation Anspruch auf freien Eintritt in Russland Museen haben.
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Der von außen oft fotografierte Theatervorraum, der über dem Winterkanal das Eremitage-Theater mit der Großen Eremitage verbindet. Neben den Architekten arbeitete immer eine große Zahl von Ingenieuren an der stetigen Modernisierung des Palasts – bereits unter Katharina II gab es ausgefeilte mechanische Hebeanlagen für Esstische, damit die Zarenfamilie vom gewöhnlichen Dienstpersonal verschont blieb. Neue Technologien wurden immer zuerst im Palast eingeführt - für eine zentrale Wasserversorgung von Waschräumen, Bädern und Toiletten wurde bereits um 1835 mit einer Dampfmaschine Wasser aus der Newa in riesige Tanks unter dem Dach gepumpt. Bei der Rekonstruktion nach dem großen Brand im Jahr 1837 begann man zum ersten Mal im größeren Umfang den damals neuen Werkstoff Eisen für die Tragekonstruktion von Gebäuden zu verwenden, da man sich davon einen besseren Brandschutz versprach. Im Winterpalast, in der Neuen, Kleinen, Großen und Alten Eremitage wurden über 25.000 m2 hölzerne Decken und Böden durch hochmoderne Stahlkonstruktionen ersetzt. Gleichzeitig wurden die üblichen Holz-Öfen, die den großen Brand ausgelöst hatten, durch eine modernere zentrale Warmluftheizung ersetzt. Die Luftkanäle wurden wie hier im Theatervorraum elegant in die Innenarchitektur integriert.
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In den 1920er Jahren wollten auch andere russische Städte und der sowjetische Staat selbst vom unermesslichen Reichtum der Eremitage profitieren. Viele Kunstwerke der Eremitage wurden an Museen in der Provinz verteilt, über 700 wertvolle Gemälde musste die Eremitage alleine dem Moskauer Puschkin Museum überlassen. Zur gleichen Zeit begann die Sowjetregierung Kunstwerke der Eremitage über die 1925 gegründete Organisation ‚Antiquariat‘ gegen Devisen zu tauschen.
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Über 300 wertvolle Gemälde der Eremitage gelangten um 1930 auf den englischen, deutschen und amerikanischen Kunstmarkt. Wichtige mit der Sowjetunion verbundene Personen konnten sich ihr Kunstwerke gleich selbst in der Eremitage auswählen, so gelangten 21 alte Meister für 6,6 Millionen Dollar an den US Finanzminister und Bankier Andrew W. Mellon, dessen private Sammlung später den Grundstock der National Gallery of Art in Washington bildete. Weitere Gemälde aus der Eremitage landeten im New Yorker Metropolitan Museum und in Los Angeles, wo der amerikanische Ölhändler Armand Hammer ein eigenes Museum errichtete.
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Die Staatsrat-Treppe verdankt ihren Namen der Tatsache, dass während der 19. Jahrhunderts der Staatsrat im Erdgeschoss tagte. Die Treppe wurde vom Architekten Andrej Stakenschneider in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet. Die Treppe und die Säulen wurden aus weißem Marmor hergestellt und mit rosa farbigen Einlegearbeiten verziert.
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Neben der Nikolaustreppe gelangt man auch über die Staatsrat-Treppe der Großen Eremitage in das Erdgeschoss zu den Ausstellungen der prähistorischen Kulturen und der klassischen Antike. Im Erdgeschoss der Eremitage befindet sich die größte Antikensammlung Russlands. Die Sammlung besteht aus über 2 Millionen Objekten vom Paläolithikum über die Eisenzeit bis zur klassischen Antike und Neuzeit.
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Rund 2500 Eremitaschniks, wie die Mitarbeiter der Eremitage genannt werden, arbeiten in dem riesigen Museumsbetrieb. Fast jeder Raum wird von einer Aufsicht bewacht, dazu kommen noch jede Menge Sicherheitspersonal, Techniker, Restaurierungsspezialisten, Kunsthistoriker und Verwaltungspersonal. Die niederländisch-russische Filmemacherin Aliona van den Horst drehte Mitte der 2000er Jahre einen Dokumentarfilm über die Angestellten der Eremitage. Der Film ‚Die Bewohner der Eremitage / The Hermitage Dwellers‘ ist ein einzigartiges Dokument über die Verbundenheit der Angestellten und dem Kunstbetrieb im Zentrum Petersburgs.
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Die erste Sammlung der klassischen Antike wurde 1787 von Katharina der Großen erworben. Sie stammt von dem Bankdirektor Lyde Brown. Eine zweite Sammlung stammt von Marchese Campana, die viele Kunstwerke aus der Zeit der Etrusker und einmalige Keramikvasen enthielt. Nach Katharina II wurde die Sammlung durch archäologische Ausgrabungsfunde von der ukrainischen Schwarzmeerküste erweitert. Das Gold der Skythen befindet sich wie die kaiserlichen Insignien und weitere unzählige Meisterwerke der Juwelierkunst in der Schatzkammer, die leider nur mit einer Führung und nur nach Voranmeldung für die Besichtigung geöffnet wird.
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Der Raum des kimmerischen Bosporus ist einem antiken Reitervolk von Nomaden aus dem Kaukasus gewidmet, das im 8. Jahrhundert v.Chr. die Nordküste des Schwarzen Meers und Anatolien besetzte und später von den Skythen verdrängt wurde. Archäologische Funde zeugen von der Ausdehnung der kimmerischen Kultur bis in das Donaugebiet.
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1830 entdeckte man auf den Hügeln von Kul-Oba in der Nähe der ukrainischen Hafenstadt Kertsch die Nekropole des antiken Pantikapaion, eine spät-antike, griechische Siedlung mitten im skythischen Gebiet, die später zum Sitz der Könige des Bosporanischen Reiches wurde. Im 4. Jahrhundert wurde die Stadt von den Hunnen verwüstet. Bei den von der Eremitage finanzierten Untersuchungen entdeckte man eine große Anzahl archäologischer Funde.
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Unter den ausgestellten Objekten befinden sich Holz und Marmor Sarkophage, Grabstelen, Statuen und Steine mit antiken griechischen Inschriften aus der Umgebung von Kertsch. Darunter ist auch der „Stein von Tmutarakan“ mit einer alten russischen Inschrift, mit der sich die frühe Siedlung der Kiewer Rus, Tmutarakan, auf der Halbinsel Taman lokalisieren ließ.
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Die Fundstücke um die Straße von Kertsch (Kimmerischer Bosporus) werden heute zum Teil in Räumen präsentiert, in denen ursprünglich die Bibliothek Voltairs gelagert wurde. Die Bücher Voltairs waren nie für die Öffentlichkeit bestimmt, Zar Nikolaus verbot die Verwendung der Bibliothek. Nur Alexander Puschkin durfte 1832 einmal einen Blick in die Bibliothek werfen.
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Für die Neue Eremitage wollte Zar Nikolaus I die Sammlung der klassischen Antike erweitern. Zu diesem Zweck ließ er in Rom eine Kommission gründen, die ihm Antiquitäten nach Petersburg liefern sollte. Die Kommission sollte selbst Ausgrabungen durchführen und kauft dafür sogar ein eigenes Grundstück auf dem Palatin, einer der sieben Hügel Roms, der als ältester antiker Wohnort von Roms Oberschicht gilt. 1851 wurde das Grundstück an Papst Pius IX abgetreten, im Tausch erhielt der Zar eine Reihe antiker Skulpturen aus den päpstlichen Sammlungen.
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Zar Nikolaus I. sammelte nicht nur antike Objekte, er förderte auch zeitgenössische Bildhauer und stellte sie in der Eremitage auf eine Stufe mit den antiken Künstlern. Nicht alles was man in der Antikensammlung sehen kann stammt aus antiker Zeit, einige Statuen in den mit künstlichen rotem Marmor verkleideten Räumen der Griechischen Skulpturen stammen von russischen Künstlern und Absolventen der Petersburger Kunstakademie aus dem 19. Jahrhundert.
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Der Raum der Antiken Skulpturen wurde von Klenze im Stil einer griechischen Säulenhalle entworfen. Die Halle wurde von ihm für die Statue der Aphrodite entwickelt, die bereits Peter der Große von einer seiner Europa-Reisen mitbrachte.
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Nach Klenzes Plänen sollte Aphrodite, die Göttin der Liebe in der Mitte des Raums stehen. Im Raum der Antiken Skulpturen befinden sich einige Statuen, wie die von Herakles, Bacchus und anderen, die früher die Grotte am Teich des Katharinenparks schmückten. Weitere wertvolle Sammlungen wurden von der Kommission in Venedig erstanden, darunter Hyacinthus aus dem Palazzo Soranzo und die Skulptur der Aphrodite aus der Sammlung des Senators Nani. Seltene Skulptur Portraits von Kaiser Hadrian oder Marcus Aurelius stammen aus der Kollektion der russischen Industriellenfamilie Demidow.
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Die Eremitage ist im Besitz einer großen Anzahl von griechischen und römischen Marmorskulpturen, die von der berühmten Taurischen Venus aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. bis zu römischen Portraitbüsten aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. reichen. In der antiken Sammlung befinden sich aber auch viele sehenswerte kleinere Objekte und eine einmalige Sammlung attischer Vasen aus dem 6. Bis 4. Jahrhundert v. Chr. die mit Szenen aus dem Trojanischen Krieg oder von Trinkgelagen bemalt wurden.
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Der 'Saal der Zwanzig Granit-Säulen' wurde von Klenze ebenfalls wie ein griechischer Tempel angelegt. In dem im etruskischen Stil bemalten Raum befinden sich fast 1300 Ausstellungsobjekte, zum größten Teil griechisch-etruskische Vasen, die durch die in Rom gegründete Kommission um 1834 nach Petersburg kamen, sie stammen ursprünglich aus der Sammlung des römischen Antiquars Pizzati.
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Für die Sammlung der „Neuesten Skulpturen“ von westeuropäischen Künstlern benötigte Zar Nikolaus fast 15 Jahre. Darunter befinden sich Werke von Michelangelo Buonarotti (der hockende Jüngling), Étienne-Maurice Falconet, dem Schöpfer des ‚Ehernen Reiters‘ auf dem Senatsplatz, Jean-Antoine Houdon und Antonio Canova, einem der führenden italienischen Bildhauer des Klassizismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
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Römische Portraitbüsten aus dem 3. Jahrhundert n. Chr.
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Aus Rom stammende Jupiterskulptur des 1.Jahrhunderts n.Chr.
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Der 'Zweite Raum der Jüngsten Skulpturen' aus rosa Marmor mit weißen Carrara-Marmor Säulen war ursprünglich für moderne russische Skulpturen bestimmt. Nachdem man noch vor Beendigung der Bauarbeiten die im Durchmesser 4,5 Meter große Riesenvase aus Jaspis installiert hatte, war für die russischen Bildhauer kein Platz mehr übrig. Die den gesamten Raum dominierende Vase wurde zwischen 1829 und 1843 aus einem Jaspis Monolit von Steinmetzen der Kolywan Schleiferei im Altaigebiet (Sibirien) geschliffen.
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Die Abteilung der griechischen und römischen Antikensammlung besitzt über 106.000 Ausstellungsobjekte. Die ältesten Objekte datieren um 2000 v.Chr., die jüngsten reichen bis in das 4. Jahrhundert n.Chr. Darunter befindet sich eine große Sammlung von über 15.000 bemalten Vasen aus Griechenland und Italien, die weit über Russland hinaus bekannt ist. Die italienischen Vasen stammen zum größten Teil aus der Sammlung Giampietro Campana, die dieser auf illegalem Weg erworben hatte. Campana war Direktor der staatlichen Pfandleihanstalt Monte di Pietà in Rom und besaß selbst großen Landbesitz und einige Marmorsteinbrüche. 1857 wurde Campana verhaftet und 20 Jahre inhaftiert. Seine Sammlung wurde vom Kirchenstaat konfisziert und danach nach Frankreich, England und Russland verkauft. Die Bestände griechischer und etruskischer Keramik des Louvre stammen ebenso hauptsächlich aus der Sammlung Campana.
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Die Räume der Antikensammlung verblüffen trotz ihre relativ geringen Größe durch die unterschiedliche Gestaltung und Vielfalt. Klenzes Vorbild für die Gestaltung der Antikensammlung war die Münchner Glypothek, Klenzes erster Museumsbau. Vor den polierten rosa, roten und grünen Marmorwänden werden die meist weißen Skulpturen eindrucksvoll inszeniert. Klenze schuf mit seinen Räumen ein weiteres Denkmal der Antike. Schon alleine wegen der Antiken-Sammlung lohnt sich ein Besuch der Eremitage.
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Ein kleinerer Teil der Eremitage ist für ägyptische Antiquitäten aus dem 14 bis zum 6 Jahrhundert v. Christi eingerichtet. Darunter sind etliche riesige Sarkophage und Kanopenkrüge für die inneren Organe. Die meisten Ausstellungsstücke stammen aus der Akademie der Wissenschaft, die der russische Wissenschaftler und spätere Bildungsminister Abram Norov 1837 aus Theben mitbrachte.
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Die Petersburger Akademie der Wissenschaften erwarb um 1825 die altägyptische Sammlung von Castillon. Um 1860 wurde die Sammlung der Kaiserlichen Eremitage übergeben, die eine für die ägyptische Totenkultur passende düstere Umgebung im Ostflügel des Winterpalasts zur Verfügung stellte.
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Ohne Stativ oder Blitzlicht darf man in der Eremitage fast überall fotografieren, nur in wenigen Bereichen war fotografieren verboten. Für das Fotografieren muss man sich jedoch ein eigenes Fototicket besorgen, das um die 200 Rubel kostet.
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Wer mehr über die Eremitage erfahren will sollte unbedingt einen guten Reiseführer mitnehmen, an der Kasse gibt es aber auch Audioführer in deutscher Sprache. Zwischendurch kann man sich in der Nähe des Restaurants an Internet-Terminals schlau machen. Manchmal bieten sich am oberen Ende der Jordantreppe auch private Museumsführerinnen mit viel Sachkenntnis an, bei denen man auch Geschichten und andere Anekdoten über die Eremitage erfahren kann, die in keinem Reiseführer beschrieben werden. Für die Schatzkammer ist eine Führung obligatorisch, ein individueller Rundgang zwischen den kostbarsten Besitztümern der Eremitage ist nicht möglich.
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Der Winter ist für einen Besuch der Eremitage besonders günstig, es gibt in dieser Jahreszeit kaum Warteschlangen vor dem Museum und kein großartiges Gedränge vor den Kunstobjekten. Früh anreisen lohnt sich fast immer, im Sommer kann sich die Warteschlange bis auf den Schlossplatz ausdehnen. Dieses Foto mit dem fast menschenleeren Eingang wurde Anfang März an einem Sonntag um 10:15 Uhr aufgenommen.
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Katzen gibt es in der Eremitage schon seitdem der Palast bewohnt wird. Angeblich ließ schon Zarin Elisabeth Petrowna vor 250 Jahren einige Katzen in den Winterpalast bringen um die Mäuse- und Rattenplage zu bekämpfen. Sie selbst durfte aber nie im heutigen Winterpalast gewohnt haben, da dieser erst im Jahre ihres Todes fertiggestellt wurde. In Russland gibt es aber die Tradition, das zuerst Katzenbabys über die Schwelle eines bezugsfertigen Hauses gehen müssen, das soll dem Haus Glück bringen. Ein jähes Ende fand die kaiserliche Katzenkolonie während der Leningrader Blockade, als jedes verfügbare Haustier wegen der großen Hungersnot in Kochtöpfen landete. Heute verrichten etwa 50-60 hauseigene Stubentiger den aufregenden Wachdienst im Hof und und in den feuchten Kellern der Eremitage. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Katzen, die wegen Krankheit oder anderen Gründen an der Eremitage ausgesetzt wurden. Organisatorisch gehören die Katzen zum inoffiziellen Eremitage Wachpersonal, deren Chefin Tatiana Danilova sich zusammen mit einigen Mitarbeitern ehrenamtlich um die Palastkatzen kümmert. Die Katzen werden durch Spenden der Mitarbeiter und von Privatleuten finanziert, auch eine Tierärztin kümmert sich regelmäßig um die Katzen. Überzählige und gesunde Katzen werden an Privatlaute abgegeben, da diese vierbeinige Eliteeinheit auf 50 Mitglieder behördlich beschränkt wurde. Der Fernsehsender ARTE hat dazu vor einiger Zeit einen ausführlichen Bericht in einer "360° - GEO-Reportage gebracht.
Eremitage t=m& www.hermitagemuseum.org
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5 Kommentare

  1. Die Eremitage ist eine beeindruckende Kunstsammlung! Die prächtigen Säle, die kunstvollen Vergoldungen, es ist einfach faszinierend. Nach mehreren Stunden wollen die Füße nicht mehr so recht weiter, aber dann steht man im nächsten Saal und wieder ist man hingerissen von den Kunstwerken, die dort zu sehen sind. Seien es die antiken Statuen in prunkvollen Räumen, seien es die Sammlungen prächtig verzierter mittelasiatischer Waffen, seien es die Gemälde russischer Generäle der Befreiungskriege oder die wundervollen Gemäldesammlungen westeuropäischer Meister. Danke, Sankt Petersburg, danke Russland!

  2. Schon immer hat mich die Geschichte Russlands und die Romanows fasziniert.-Meine Großmutter väterlicherseits,geb.1912,stammt aus Weißrussland.Gestern,am Ostersonntag,27.3.2016,kam auf Arte eine Dokuserie über die Romanows,Katharina die Große,auch über die Eremitage.-Ich wollte mehr wissen und stieß auf diese Seite hier.-Ich bin tief beeindruckt über diese schönen,prachtvollen Fotos vom Außengebäude und den Innenräumen der Eremitage.-Wenn ich finanziell so könnte,wie ich wollte,würde ich sofort hinfahren und mir das ansehen.-Danke für diese phänomenalen Fotos,die mich mit Ehrfurcht und Glück erfüllen.-Liebe Grüße nach Russland.

  3. Ich war bisher zweimal in St. Petersburg und auch zweimal in der Eremitage. Ich habe dort auch Fotos gemacht, die teilweise in Wikipedia/Commons zu sehen sind. Aber ihre Fotos sind sensationell. Mich würde interessieren wie lange sie sich in St. Petersburg aufgehalten haben um diese vielen tollen Fotos zu schießen. Allein für die von dem Interieur der Eremitage braucht man doch Wochen. Da ich selbst gern und viel fotografiere würde mich ihr Ausrüstung (da muss doch auch ein Stativ im Spiel gewesen sein) interessieren, und wie sie es gemacht haben, dass kaum Zuschauer zu sehen sind.
    Gruß
    Hans-J. Huber

    • Vielen Dank für das Kompliment! In Petersburg habe ich mich sehr lange aufgehalten, aber die Fotos in der Eremitage sind an einem Tag entstanden, man muss nur sehr früh anwesend sein, damit man vor dem ersten Pulk rein kommt. Am besten im Winter und dann eine Stunde vor Öffnung. Dann ist die Chance groß, das man die Jordan Treppe und die darüber liegenden Prunkräume ohne viel Publikum hat. Die Fotos sind mit einer Canon 7D entstanden, ohne Stativ, da dieses dort nicht erlaubt ist.

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