Wassiljewski Insel

Die Wassiljewskij Insel (kurz Wassilij Insel) ist die größte Insel im Newa Delta. Sie erstreckt sich vom Stadtzentrum bis zum Finnischen Meerbusen im Westen Petersburgs. Die meisten Sehenswürdigkeiten findet man an der Strelka, an der sich bis zum 19. Jahrhundert das Handelszentrum der Stadt befand. Die Strelka ist die spitze Ostseite der Insel, die im Zentrum Petersburgs die Newa in die Große Newa Richtung Südwesten und in die Kleine Newa Richtung Nordwesten teilt.
Die Wassiljewskij Insel ist seit dem 15.Jahrhundert unter ihrem finnischen Namen Hirvisari (Elchinsel) bekannt. Nach wem die Insel benannt wurde, ist heute unbekannt. Um 1640 wird in Nowogorodern Wirtschaftsbüchern eine Wassilew Insel im Delta der Newa erwähnt, damals gehörte die von finnischen Fischern bewohnte Insel dem Nowogroder Statthalter Wassilij Sselesen. Eine andere Version erzählt von Peter dem Großen, der auf der Insel eine Militäreinheit stationierte, die von Hauptmann Wassilij Kormtschin befehligt wurden. Schriftlichen Anweisungen bekam der Hauptmann unter der Adresse „dem Wassilij auf die Insel“.
Zar Peter schenkte die Insel ursprünglich seinen Freund Fürst Menschikow, nahm die Schenkung später aber zurück und beschloss auf der Insel das neue Stadtzentrum zu gründen. Mit seinem Festungsarchitekten Trezzini entwarf er einen Bebauungsplan mit streng geometrischen Flächen und Linien. Nach Amsterdamer Vorbild sollte die Wassiljewskij Insel mit einem rasterartigen Kanalsystem durchzogen werden.
Die Strelka bildet heute mit ihren mit ihren prächtigen öffentlichen Gebäuden das architektonische Zentrum der Insel. Die westlichen Bereiche der Wassili Insel entwickelten sich erst mit dem Brückenbau im 19. Jahrhundert. Die Insel wurde während der Industrialisierung zum begehrten Wohnort der Mittelschicht, dazu gehörte auch eine reiche deutsche Kolonie mit über 40.000 Einwanderern.
Die beiden 32 Meter hohen identischen Rostra Säulen sind das markante Wahrzeichen der Strelka. Als sich der Hafen noch an der Strelka befand, dienten die beiden Säulen als Leuchttürme für die Schifffahrt. Im Inneren führen Wendeltreppen bis zu den eisernen Dreifüßen, in deren Kupferschale Öl für ein Leuchtfeuer angezündet wurde.
Der Anker aus dem 18. Jahrhundert wurde im alten Hafenbecken gefunden und 2003 zum 300. Stadtgeburtstag auf den Sockel gehoben. Schon um 1703 legte an der Strelka das erste holländische Handelsschiff an, dessen Kapitän mit Golddukaten überschüttet und sein Schiff in „Sankt Petersburg“ umbenannt wurde. Dadurch wurde der Hafen in Europa schnell bekannt, im 18. Jahrhundert wurden jährlich bis zu 1000 Handelsschiffe abgefertigt. Der Hafen wurde jedoch bald zu klein und das Fahrwasser für modernere Seeschiffe zu niedrig. Um 1895 wurde der aktive Hafen auf die Gutujew-Insel im Westen der Stadt verlegt.
Am Sockel der Rostra Säulen befinden sich gewaltige Figuren, die vier große russische Wasserstraßen symbolisieren, die Newa, die Wolga, den Wolchow und den Dnepr. Die 1810 aufgestellten Säulen wurden nach römischem Vorbild gestaltet. In der Antike wurden nach einem Sieg zur See erbeutete Schiffschnäbel (lateinisch 'rostrum') zur Schau gestellt.
Die Leuchtfeuer werden heute nur mehr zu bestimmten Feierlichkeiten angezündet. Zum Abrennen der beiden Fackeln wird aber nicht mehr wie früher Öl verwendet sondern Gas aus modernen Leitungen.
Am halbrunden Kai vor der Börse gibt es einen schönen Panoramablick auf die Petrograder Seite mit der Peter-Paul Festung und auf das Schlossufer mit der Eremitage. Der Kai ist neben dem 'Ehernen Reiter' eine der beliebtesten Fotolocations für frisch getraute Paare.
Auf dem Platz der heutigen Börse befanden sich zu Katharinas Zeiten vor Schmutz erstarrende, einfache Lagerhäuser. Daran änderte auch die von Quarenghi erbaute Börse nichts, erst ab 1810 wurde der Platz mit einer neuen Börse nach einem Entwurf des Schweizer Architekten Thomas de Thomon umgestaltet. Die Börse mit dem Erscheinungsbild eines griechischen Tempels, der von allen Seiten mit einem toskanischen Säulengang umgeben ist, ist ein Höhepunkt klassischer russischer Baukunst. Zurzeit befindet sich in der Börse noch das 1939 eröffnete Museum der Kriegsmarine, dieses soll jedoch bald in eine ehemalige Marine-Kaserne an der Moika umziehen.
In einem der beiden ehemaligen Packhäuser wurde das Zoologische Museum eingerichtet. Das Museum ist vor allem für seine Mammut Sammlung und dem im Museum beheimateten Nationalen Institut der Mammutforschung, das Zentrum der russischen Mammutforschung, weltweit bekannt. Auch die drei ausgestopften Haustiere Zar Peters genießen in Russland eine gewisse Berühmtheit.
Die 1704 in Auftrag gegebene und 1724 eröffnete Kunstkammer ist das älteste Museum in Russland. Peter der Große forcierte Wissenschaft und Technik, da er ein ausgeprägtes Interesse an der Modernisierung Russlands hatte. Nachdem er bereits einige Gaststudenten nach Europa gesandt hatte, unternahm er selbst einige Reisen durch Europa, bei denen er neben Kunstwerken auch missgebildete Föten und andere Kuriositäten Sammlungen erstand. Die Bestände des Museums zählen zu den vollständigsten anthropologischen und völkerkundlichen Sammlungen der Welt. Seit 1992 ist die Kunstkammer ein unabhängiges Museum und Forschungsinstitut innerhalb der Geschichtsabteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften.
Die Akademie der Wissenschaften wurde von Peter dem Großen 1725, noch kurz vor seinem Tod, gegründet. Das Konzept der Akademie stammte von seinem Leibarzt Lorenz Blumentrost. An die Akademie wurden in den ersten Gründungsjahren ausschließlich Deutsche und Schweizer berufen. Ab 1727 wurde die Akademie, zu der auch ein Gymnasium gehörte, zum Herausgeber der ‚St.Petersburgisch Zeitung‘. Die St.Petersburgisch Zeitung war die erste Petersburger Tageszeitung und erste deutschsprachige Zeitung Russlands. Das heutige Gebäude wurde von Giacomo Quarenghi zwischen 1783 und 1785 gebaut. 1988 wurden bei einem Brand in der Akademie rund eine Million Bibliotheksbände vernichtet.
Am Newa Ufer vor der Universität befindet sich das Denkmal des Universalgelehrten Michail Lomonossow (1711-1765), Mitglied mehrerer europäischer und russischer wissenschaftlicher Akademien. Dem berühmten russischen Wissenschaftler wurde 1947 ein eigenes Museum innerhalb der Kunstkammer gewidmet.
Die Zwölf Kollegien und ein paar kleinere Gebäude an der Birschewaja Linie bilden die westliche Grenze der Strelka. Die Zwölf Kollegien gehen auf Peter dem Großen zurück, der hier seine Ministerien (Kollegien) in einem Gebäude versammeln wollte. Das 383 Meter lange Gebäude mit zwölf Eingängen wurde zwischen 1722 und 1740 nach einem Entwurf von Peters Hofarchitekten Domenico Trezzini errichtet.
1819 wurden die Ministerien ausgelagert und das Gebäude der benachbarten Akademie der Wissenschaft angegliedert. Seit1835 befindet sich in den Räumen der Zwölf Kollegien die Staatliche Universität, die zu den ältesten, größten und renommierten Universitäten Russlands gehört. Zu ihren Absolventen zählen viele berühmte Persönlichkeiten, darunter auch Lenin und beiden in Petersburg geborenen Staatspräsidenten Putin und Medwedew.
Denkmal für den Mediziner, Physiologen, Naturwissenschaftler und Nobelpreisträger Iwan Petrowitsch Pawlow. Der Wissenschaftler wurde vor allem durch die Entdeckung des bedingten Reflexes bekannt, aus dem das Prinzip der Klassischen Konditionierung abgeleitet wurde. Er erzeugte bei Hunden experimentelle Neurosen und heilte sie wieder (Pawlowscher Hund). Daraus zog er Schlüsse zur Erklärung des Mechanismus von psychischen Erkrankungen beim Menschen.
Auf dem großen Gelände zwischen Börse und Universität befindet sich das über 200 Jahre alte Ott Krankenhaus. Das Institut wurde am 8. September 1797 unter Zar Paul als kaiserliche Klinik der Geburtshilfe eröffnet. Unter den Sowjets wurde die Klinik zum Institut für Geburtshilfe und Gynäkologie der Russischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften. 1989 wurde die Klinik und das Institut nach dem russischen Gynäkologen Dmitry Ott umbenannt, dem Leibarzt der Zarin Alexandra Fjodorowna. Ott führte bereits 1908 die Laparoskopie in die chirurgische Praxis, er gilt als Begründer der endoskopischen Chirurgie in Russland.
Das Gebäude des medizinischen Instituts wurde von dem Petersburger Architekten und Hochschuldirektor Leonti Nikolajewitsch Benois errichtet. Von ihm stammen auch die Großfürstliche Gruft auf der Peter-Paul Festung und der Benois Flügel des Russischen Museums. Benois war auch in Deutschland tätig, so baute er die Russischen Kapellen in Darmstadt und Bad Homburg. Leon Benois war im Besitz eines der bekanntesten Gemälde von Leonardo da Vinci, die Madonna Benois. Drei Jahre vor der Revolution verkaufte er sie an Zar Nikolaus II. Das Gemälde war mit umgerechnet rund 1,5 Millionen US-Dollar das bis dahin am teuersten verkaufte Gemälde. Seine Tochter Nadescha Benois heiratete den britischen MI5 Geheimagenten Jona von Ustinov. Aus dieser Ehe ging der britische Schauspieler Peter Ustinov hervor.
Die Rückseite des klassizistischen Börsen Gebäudes. In der Börse wurden hauptsächlich Warengeschäfte mit ausländischen Kaufleuten getätigt. Einer der berühmtesten Händler an der Petersburger Börse war der deutsche Kaufmann und Archäologe Heinrich Schliemann. Im Jahr 1855 wurde er als erfolgreichster Kaufmann mit einem Geschäftsvolumen von einer Million Taler notiert, seinen Gewinn machte er hauptsächlich mit Munitionsrohstoffen für den Krimkrieg. Während des ersten Weltkriegs trieben Spekulationsgeschäfte der Händler und Börsenmakler den Getreidepreis in die Höhe und lösten Hamsterkäufe aus. Die Bolschewiken ließen den Handel in der Börse einstellen und verwendeten das Gebäude als Bühne für Massenveranstaltungen.
Im ehemaligen Zollhaus des Hafens befindet sich heute das Literaturinstitut der Akademie der Wissenschaften. Das Haus neben dem nördlichen Lagerhaus ist in Sankt Petersburg mehr unter "Puschkinskij dom" bekannt, das Puschkinhaus. Angeschlossen ist ein Literaturmuseum mit vier Sälen, in denen eine große Menge von persönlichen Gegenständen, Handschriften, Fotografien und Bilder von bedeutenden russischen Schriftstellern aufbewahrt werden, darunter Alexander Puschkin, Michail Lermontow, Nikolai Gogol, Alexander Blok, Lew Tolstoi und Maxim Gorki.
Von der Kuppel des Zollhauses wurden ankommende Schiffe registriert. Der Portikus des zwischen 1829 und 1832 gebauten Zollamts wurde von drei kupfernen Statuen bewacht, die römischen Götter des Meeres und Handels, Neptun und Merkur und die Göttin der Fruchtbarkeit Ceres.
Vor dem Puschkinhaus befindet sich eine Büste des großen Nationaldichters und Begründer der modernen russischen Literatur, Alexander Puschkin. Sein Vermächtnis besteht aus mehreren Dramen, Romane, Märchen, über 800 Gedichte und ein Versepos - Eugen Onegin. Seine Werke wurden in fast alle Weltsprachen übersetzt. Jedes Jahr am 6.Juni wird sein Geburtstag mit Lesungen und diversen Veranstaltungen gefeiert. Seinen Handschriften werden vom Puschkinhaus aufbewahrt, die man aber nur mit besonderer Genehmigung in der Hausbibliothek zu sehen bekommt.
Im nördlichen Lagerhaus befindet sich heute das Bodenkunde-Museum und das angeschlossene Institut der Silicat Chemie der Akademie der Wissenschaften, in dem u.a. Nano Technologien erforscht werden. Die Wassili Insel besitzt heute die meisten Universitäts-Fakultäten und die höchste Konzentration an Studenten und Wissenschaftlern.
Denkmal für den Physiker, Dissident und Friedensnobelpreisträger Andrei Sacharow, einem der berühmtesten Wissenschaftler Russlands. Sacharow war der Vater der sowjetischen Wasserstoffbombe. Nachdem es bei den Versuchen mit der Bombe die ersten Toten gab, setzte bei ihm ein Umdenken ein. Sacharow entwickelte sich zum Systemkritiker, verurteilte die Zerschlagung des reformkommunistischen Prager Frühlings, setzte sich für internationale Abrüstung und Kernwaffen-Kontrolle ein, verlangte die Demokratisierung der Sowjetunion und gründete ein Komitee zur Durchsetzung der Menschenrechte. Am 10. Dezember 1975 wurde Sacharow der Friedensnobelpreis verliehen, entgegennehmen durfte er ihn jedoch nicht, da er keine Ausreisegenehmigung erhielt. Den Preis nahm seine Frau Jelena Bonner stellvertretend entgegen. Nach Protesten gegen die sowjetische Intervention in Afghanistan wurde er 1980 verhaftet und nach Gorki verbannt. Die Verbannung wurde im Dezember 1986 beendet, als ihm Parteichef Michail Gorbatschow persönlich bat nach Moskau zurückzukehren und seine politische Tätigkeit wieder aufzunehmen.
Das Admiral Makarow Ufer erstreckt sich auf dem linken Ufer der Kleinen Newa vom Börsenplatz bis zur Smolenka. Im 17. Jahrhundert gab es hier noch eine einfache Holzhütten-Siedlung von Fischern. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Uferböschung in Granit eingefasst und mit neuen Häusern bebaut. Einige der großen Gebäude am Makarow Ufer werden ebenfalls von der Universität genutzt. Am Makarow Ufer Nr.10 lebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der große Komponist Peter (Pjotr) Iljitsch Tschaikowski.
Die von Osten nach Westen fließende Smolenka trennt die Dekabristen Insel von der Wassiljewskij Insel. Die Smolenka beginnt am Makarow Ufer und verläuft ziemlich gerade bis zum Finnischen Meerbusen. Ein großes Stück ihres Weges durchquert sie dabei den Smolensker Friedhof.
Im Westen der älteren Wassiljewskij Insel befindet sich der riesige vierteilige Smolensker Friedhof. Der 1756 für Zuwanderer aus Smolensk angelegte Friedhof ist der älteste durchgehend betriebene Friedhof der Stadt. Der russisch-orthodoxe Friedhof befindet sich im Süden der Smolenka, der die Wassiljewskij Insel von der Dekrabisten-Insel trennt. Auf der anderen Seite des Newa Arms befindet sich ein Soldatenfriedhof, ein Armenischer Friedhof und der deutsche evangelisch-lutherische Friedhof. Die Grabinschriften des überwachsenen evangelischen Friedhofs, auf dem seit dem 18.Jahrhundert deutschstämmige Einwohner begraben wurden, sind noch gut erkennbar.
Zu Ende des 19. Jahrhunderts gab es auf der Wassilij Insel einen regelrechten Bauboom. Dabei entstanden viele massive Mietshäuser, die meist von Mitgliedern der lokalen deutschen Gemeinde entworfen wurden. Deutsche Einwanderer bildeten in Sankt Petersburg die größte Minderheit, sie stellten zu Beginn des Baubooms fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung auf der Wassilij Insel. Vor dem Ersten Weltkrieg lebten auf der Insel immer noch rund 24.000 Deutsche.
Die 226 Meter lange und 36 Meter breite Tutschkow Brücke ist eine der beiden Brücken, die von der Wassiljewkij Insel auf die Petrograder Insel führen. Die ursprüngliche Brücke, die den Petrograder Bolshoi Prospekt über die Linii 1 mit dem Bolshoi Prospekt der Wassilij Insel verbindet, wurde um 1758 als Holzkonstruktion gebaut. Danach wurde die Brücke mehrmals neu gebaut. Die heutige Brücke wurde zwischen 1962 und 1965 gebaut. Die Brücke spielt eine literarische Rolle in Dostojewski's Schuld und Sühne, bei der die Hauptfigur Raskolnikow an seinem letzten Tag von der Brücke auf das Wasser blickt und über sein Leben resümiert.
Die ursprünglich rechtwinkelig geplanten Kanäle, die hauptsächlich dem Handel dienen sollten, wurden nicht mehr verwirklicht, die schon ausgehobenen Kanäle wurden später aus Kostengründen wieder zugeschüttet. Aus dieser Stadtplanung sind nur die durchnummerierten Straßen (Linii) übrig geblieben. Die Linie 1 markiert die westliche Grenze der Strelka. Sie verläuft vom Admiral Makarow Ufer bis zum Universitätskai an der Große Newa.
Die Linie 1 ist die kürzeste Querverbindung von der Kleinen und Großen Newa. Durch sie erreicht man den Rumjanzewski Garten zwischen der Akademie der Künste und dem Menschikow Palast am Ufer der Großen Newa. Der Park wurde von dem reichen Kaufmann Solowjow angelegt. Angeblich finanzierte er den Park mit einer Schuldenrückzahlung, die er gerichtlich von dem deutschen Forscher Heinrich Schliemann erstreiten musste. Im Park befinden sich Büsten von Ilja Repin und Wassilij Surikow, beides Professoren der benachbarten Kunstakademie. Im Zentrum des Parks steht ein Obelisk, der an die Siege Rumjanzew erinnert. Pjotr Rumjanzew besiegte unter Katharina der Großen 1770 die türkische Armee.
Der Menschikow Palast war eines der ersten großen Steinbauwerke der Stadt. Der Bauernsohn und spätere Fürst Alexander Menschikow war seit Jugendzeiten einer der engsten Freunde von Peter I und wurde von ihm zum ersten General Gouverneur Sankt Petersburgs ernannt. Von seinem Nachfolger am Zarenthron, Peter II, wurde Menschikow später mit Frau und Kind nach Sibirien verbannt. Danach wurde im Palast die erste Kadettenschule untergebracht, heute ist das Palais eine sehenswerte Museums-Außenstelle der staatlichen Eremitage.
Die Akademie der Künste wurde 1757 zur Ausbildung einheimischer Künstler in westlichen Kunststilen gegründet. In der Akademie befindet sich eine der ältesten Kunstsammlung Russlands. Ausgestellt sind neben den Abschlussarbeiten ehemaliger Schüler Kopien berühmter Gemälde und antiker Skulpturen, sowie Grundrisse und Modelle bedeutender Sankt Petersburger Bauten wie der Isaak Kathedrale oder der Smolny Kathedrale.
Katharina die Große ließ die beiden Paläste von Golowin und Dolgoruki, in denen die Akademie seit 1757 vorerst untergebracht war, abreißen und an derselben Stelle einen Neubau errichten. Für den Neubau wurden in den 1760er Jahren die Architektur-Professoren Vallin de la Mothe und Alexander Kokorinow beauftragt. Über der Kuppel thront seit 2003 wieder eine bronzene Minerva, der römischen Göttin der Kunst.
Die beiden Sphinxen an der Anlegestelle vor der Akademie der Künste wurden im 19.Jahrhundert von Zar Nikolaus I. erworben. Die 23 Tonnen schweren Standbilder aus Syenitstein kommen aus Theben und stammen aus der Herrschaftszeit von Amenhotep III (1455-1419 v. Chr.)
Hinter der Akademie befindet sich ein schöner kleiner ruhiger Park.
Sehenswürdigkeiten gibt es nicht nur auf der Strelka im Osten der Insel. Auch die Linien eignen sich gut für einen Spaziergang und mit etwas Aufmerksamkeit kann man auch hier einiges entdecken. Viele berühmte Persönlichkeiten ließen sich ihre Häuser und Villen in der Nähe ihres Arbeitsplatzes errichten.
Rund um den Bolschoi Prospekt befinden sich einige bemerkenswerte Bauwerke. Der Bolshoi Prospekt ist eine der drei Hauptachsen, die in Ost West Richtung verlaufen, er beginnt an der Linie 1 und endet am Len Expo Gelände vor dem Finnischen Meerbusen. Der Bolshoi Prospekt wurde bereits in den 1710er Jahren angelegt. Nach Peters Plänen sollte in seiner Mitte ein breiter schiffbarer Kanal für Handelsschiffe ausgegraben werden. Der Prospekt gehörte bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zu den breitesten Straßen in Europa.
Die 1780 von Alexander Wist erbaute Andreas (Andrejewskij) Kathedrale ist die letzte im barocken Stil gebaute Kirche Petersburgs. Sie wurde anstelle einer Holzkirche gebaut, die durch einen Blitzeinschlag im Jahr 1761 vernichtet wurde. In der Kathedrale, eine Stiftskirche des ältesten russischen Ritterordens, der Andreasorden, war für den Zaren ein spezieller Platz reserviert. Die Kirche diente auch als Vereidigungsort für die Professoren der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 1938 wurde die orthodoxe Kirche von den Sowjets geschlossen, der Priester verhaftet und die bis zu 4 Tonnen schweren Glocken zerstört. Während der Belagerung Leningrads wurden die Türme der Kirche mit Kanonen bestückt. 1992 wurde die Kathedrale der orthodoxen Kirche zurückgegeben. Die Andreas Kathedrale besitzt eine sehenswerte barocke Ikonostase. Neben der Kathedrale befindet sich die Kirche der Drei Heiligen, die bereits um 1745 von Carlo Trezzini errichtet wurde.
Der Andreas Markt ist der älteste Markt auf der Wassiljewskij Insel. Heute befinden sich in dem Markt gemischte Geschäfte und Boutiquen, Lebensmittel werden nur mehr im angrenzenden Wassileostrowskij-Markt verkauft.
Der mittlere Teil der 6 und 7 Linie wurde in eine kleine nette Fußgängerzone umgewandelt. Zwischen Springbrunnen, Bänken, Cafes und kleineren Geschäften kann man hier in der Architektur des 18. und 19. Jahrhunderts flanieren.
Am Ende der Fußgängerzone liegt die Metrostation Wasileostrowskaja. Sie liegt relativ zentral auf der Insel und eignete sich daher gut als Startpunkt für Erkundigungstouren auf die Wassiljewskij Insel.
Denkmal für die Pferdebahn vor der Metrostation Wasileostrowskaja. Pferdebahnen gab es in Sankt Petersburg seit 1863, auf der Wassilij Insel seit 1864. Die 3,5 Kilometer lange Strecke führte vom Admiralitäts Platz über die heute nicht mehr existierende Isaaksbrücke bis zur 8. Linie der Wassiljewskij-Insel. Obwohl die Elektrifizierung der Straßenbahnen schon 1907 begonnen hatte, wurden Passagierpferdebahnen bis 1917 verwendet. Wer mehr über die Geschichte der Petersburger Pferde und Straßenbahn wissen möchte wird unter piter-tram.de einiges finden.
Die Blagoveschenskiy Brücke verbindet das heutige Zentrum auf der Admiralitätsinsel mit der Wassiljewski-Insel. Die am 12.November 1850 von Zar Nikolaus I eröffnete Blagoveschenskiy-Brücke war die erste feste Verbindung über die Newa. Nach dem Tod des Zaren wurde sie in Nikolai-Brücke, nach der Revolution zu Ehren von Pjotr Schmidt in Leutnant-Schmidt-Brücke und nach einer aufwendigen Sanierung 2007 wieder in Blagoweschtschenski-Brücke umbenannt.
Der Boulevard am Leutnant Schmidt Kai ist bei schönem Wetter ein idealer Ort für einen Spaziergang mit etwas Hafenflair. Die Uferstraße zwischen der Blagoveschenskiy Brücke und der 23. Linie wurde mit dem Bau der Brücke entworfen und ebenso nach Zar Nikolaus benannt. 1918 wurde der Kai nach dem jungen Marineoffizier Pjotr Schmidt umbenannt. Pjotr Schmidt war als Anführer des Aufstands der Schwarzmeerflotte während der Revolution 1905 hingerichtet worden. Der Kai hat im Gegensatz zur Brücke seinen Namen bis heute behalten dürfen.
Gegenüber der Marineakademie befindet sich das von Iwan Schreders entworfene Denkmal für Admiral Iwan Krusenstern. Der deutsch-baltische Admiral Adam Johann Baron von Krusenstern führte die erste russische Weltumseglung durch. Diese dreijährige Weltumseglung hatte mehr den Charakter einer Forschungsreise, bei der damals noch unbekannte Länder und Meere vermessen und erforscht wurden. Die Expedition gilt als eine der ergebnisreichsten Reisen des 19. Jahrhunderts. 1806 wurde Krusenstern zum Admiral, zum Leiter des Seekadetten-Korps und zum Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg ernannt. 1842 bekam Krusenstern, der mittlerweile zum General Admiral ernannt wurde, den preußischen Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste verliehen.
Die zentrale Marineakademie ‚Peter der Große‘ ist Russlands älteste Ausbildungsstätte für Marineoffiziere. Die große Mehrheit der bedeutendsten Marineoffiziere und Admiräle waren Absolventen dieser Akademie. Auf dem Turm der Marineakademie weht die Andreas-Flagge der russischen Kriegsmarine. Die Andreasflagge geht nach der Legende auf den Apostel Andreas zurück, der von Heiden im Land der Skythen an einem Schiefbrettkreuz gekreuzigt wurde. Zar Peter der Große nahm das Andreaskreuz als Vorlage für seine neue Kriegsmarine.
Die Marine-Akademie basiert auf der von Zar Peter gegründeten Schule für Mathematik und Navigation in Moskau, die nach der Stadtgründung nach Sankt Petersburg verlegt wurde. Während der Sowjetunion wurde die zentrale Marineakademie in M.W. Frunse Marineakademie umbenannt. Michail Wassiljewitsch Frunse war ein bolschewikischer Heerführer, der nach seinem Sieg gegen die Weiße Armee Oberbefehlshaber der sowjetischen Streitkräfte wurde.
An der Kreuzung des Leutnant Schmidt Kai mit der 15. Linie steht die schon von weiten sichtbare Maria Himmelfahrtskirche. Die mit weißen Sandstein und Mosaiken verkleidete Kirche wurde von Wassili Kosjakow zwischen 1895 und 1903 als Stadtkirche des Kiewer Höhlenkloster errichtet. Da die tragenden Mauern der Kirche bereits mit Beton gebaut wurde, konnte im Inneren ein großzügiger Raum mit wenigen Stützpfeilern gestaltet werden.
Die Sowjets fanden das neobyzantinische Gebäude als Sportstätte geeignet und installierten nach dem II. Weltkrieg in der Kirche eine Eislaufbahn. Die Kirche kam nach Auflösung der Sowjetunion in den Besitz des Klosters Optina Pustyn im Oblast Kaluga (ca. 170 Kilometer südlich von Moskau) und wird heute wieder für die russisch orthodoxe Liturgie verwendet.
Am Ende des Leutnant Schmidt Kai befindet sich das Bergbau-Institut. Das Hauptgebäude am Kai wurde von Andrej Woronichin im klassizistischen Empire Stil mit einem Zwölf-Säulen Portikus versehen. Davor befinden sich zwei Figurengruppen, die den ‚Raub der Proserpina‘ und ‚Herkules erwürgt Antaios‘ darstellen. Dem Bergbauinstitut ist ein Mineralogisches Museum angeschlossen, das jedoch nur nach Anmeldung besucht werden kann.
Die Krassin (russisch Красин) ist ein ehemaliger sowjetischer Eisbrecher, der jetzt als Museumsschiff verwendet wird. Bis in die 1950er Jahre war sie das weltweit stärkste Schiff ihrer Art und stellte in dieser Zeit einige Rekorde auf. So war sie das erste Schiff, das im Winter die Küste von Nowaja Semlja erreichte. Das Schiff wurde durch die Rettung von Überlebenden der Nobile-Nordpol-Expedition und das Bergen des mit über 1800 Menschen an Bord in Seenot geratenen deutschen Passagierschiffs Monte Cervantes bekannt.
An der 23. Linie endet die Uferstraße. Dort beginnt ein weitläufiges Industrieviertel mit Elektro- und Maschinenbau-Betrieben, die zusammen mit der Baltischen Werft entstanden sind. Das riesengroße Areal der Baltischen Werft erstreckt sich am Ufer der großen Newa bis zum Expo Gelände am Finnischen Meerbusen. Wer sich nicht für die bröckelnden Fassaden von Industriebetrieben aus dem 19. Und 20. Jahrhundert interessiert sollte hier besser den Bus oder eine Marschrutka nehmen, bis zum Finnischen Meerbusen sind es von hier aus noch etwa 3 Kilometer.
Im eher unbekannten südwestlichen Teil der Wassiljewski Insel
Feuerwache auf der Wassiljewski Insel
In einem Park neben dem LenExpo Gelände wurde 1987 das Unterseeboot 'Narodowolez' auf einen Sockel gestellt und als Museum für die Öffentlichkeit freigegeben. Das Unterseeboot Narodowolez (Volkswille) der Klasse D2 gehört zur ersten russischen U-Boot Generation.
Das Lenexpo Gelände ist ein 15 Hektar großes Ausstellungsgelände am Finnischen Meerbusen, zu dem auch ein kleiner Hafen gehört. Von hier kann man einen Blick auf die Newa Mündung und die riesigen Hafenanlagen im Süden Sankt Petersburgs werfen.
Abendstimmung am Grebnoy Hafen neben dem Lenexpo Gelände.
Nicht immer hat man das Gefühl dass man sich in Russland befindet, manchmal wirkt es schon fast mediterran
Wassiljewski-Insel Google Map
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2 Kommentare

    • Danke für den Hinweis! Ja, das ist richtig, obwohl die Kirche ziemlich zentral am Beginn des Bolshoy Prospekts liegt, bin ich dort leider nie mit der Kamera vorbei gelaufen.
      Grüße

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